Hightech-Höhlenforschung im Dunkeln der ErdeHöhlen erforschen als Expedition
Moderne Technik erlaubt heute Expeditionen das Erforschen von Höhlen mit mehr als 2 Kilometern Tiefe.
Unterirdische Bäche, Tropfsteine, große Höhlengänge oder gar Höhlenperlen gibt es nicht nur in ausländischen Höhlen. Sie entstehen überall dort, wo die Bedingungen aufgrund des vorherrschenden Gesteins und Klimas günstig sind, also auch in Deutschland. Die Erforschung dieser unterirdischen Welt ist die Domäne der Höhlenforscher, welche heute modernste Hightech im Rahmen ihrer Forschung nutzen. Gründe für das Erforschen von HöhlenHöhlen sind wahre Archive der Natur und interessieren daher vor allem Höhlenforscher, die meist interdisziplinär in Bereichen wie zum Beispiel Topographie, Geomorphologie, Paläontologie, Hydrologie, Karstologie, Geologie und Archäologie tätig sind. Höhlenforscher stießen bei Neuentdeckungen der letzten Jahre immer wieder auf seltene Tierarten oder Schätze mit weiterem Wissen über unsere Vorfahren. In Regionen mit zahlreichen unterirdischen Höhlenbächen, wie der Schwäbischen Alb, ist die Erforschung der Höhlensysteme auch ein wichtiger Beitrag zum Schutze der unterirdischen Wasservorräte. Im Rahmen der Erforschung Wasser führender Höhlen setzen die auf dem Gebiet der Hydrogeologie tätigen Höhlenforscher Tracerstoffe ein, um durch deren Nachweis in den Karstquellen hydrogeologische Verbindungen nachzuweisen. Sie erhalten so Daten wie Durchlaufzeiten oder Schüttung der unterirdischen Wasserwege. Bei einzelnen Projekten kommen sogar Höhlentaucher zum Einsatz. Einseiltechnik ermöglicht schnelles Erforschen tiefer HöhlenModerne Höhlenforscher bedienen sich heutzutage bei ihren Expeditionen der Einseiltechnik, die das Abseilen und Aufsteigen an freihängenden statischen Seilen ermöglicht. Mit Hilfe moderner Hightech-Ausrüstungen aus Leichtmetall können kleine Teams von nur 3 Personen problemlos in Schachthöhlen von weit über 200 Meter Tiefe vordringen. Mit Hilfe dieser neuen Befahrungstechnik wurden in den letzten Jahren weltweit Zehntausende Höhlen erforscht. Die weltweite Zahl der Neuentdeckungen wächst jährlich um Tausende neuer Höhlen an. Mittlerweile liegt der erreichte Tiefenrekord bei rund minus 2.100 Meter vertikaler Tiefe. Sehr tiefe Höhlen mit über 1.500 Meter Tiefe sind z.B. der Lamprechtsofen in Österreich und der Gouffre Mirolda in Frankreich. Großes Tiefenpotential besteht zur Zeit vor allem in Südamerika, Papua-Neuguinea, Mexiko, Venezuela, Österreich, Frankreich und den Karstgebieten der ehemaligen Sowjetunion. Höhlenforschung im Dienste der WissenschaftDiese Gebiete werden gezielt von gut vorbereiteten Höhlenforscher-Gruppen unter Expeditionsbedingungen erforscht. Im Rahmen dieser Arbeiten wird Ingenieurswissen und Hightech pur eingesetzt. GPS, Auswertung von Satelliten- und Luftbildaufnahmen, Nutzung von Wasseranalysecomputern und Spektralfluometern zum Nachweis von Tracerstoffen, Einsatz von Theodolit und Kartographierprogrammen beim Kartographieren, Infrarotbildtechniken beim Absuchen der Karrenfeldern nach den Höhleneingängen entströmender Luft sind nur Teil der modernen Methoden, die Höhlenforscher nutzen. Besonders wichtig ist die genaue Untersuchung von Gebieten, wo später Staudämme gebaut werden. Um eine Gefährdung des Bauwerks durch darunter liegende Höhlenteile auszuschließen und um ein unterirdisches Abfließen des gestauten Wassers zu verhindern, ist hier besondere Sorgfalt erfordert. Höhlen erforschen mit großen HöhlenexpeditionenVor Beginn einer Expedition werden Luftbilder, geologische Schnitte, hydrogeologische Karten usw. ausgewertet, um Potentiale einzuschätzen und geeignete Areale festzulegen. Ein Forschungsplan wird festgelegt und der Ablauf der Expedition organisiert. In Mittel- und Südeuropa erfolgt die Erforschung des Innern einer größeren Höhle in Form von kleinen Teams, die koordiniert, aber unabhängig voneinander zu Werke gehen. Wissenschaftler widmen sich ihren Arbeiten, während Vorstoßtrupps zur gleichen Zeit beim Kartographieren möglichst tief in die Höhlen eindringen, um den Wissenschaftlern als Wegebereiter zu dienen. Um Erschöpfungszuständen vorzubeugen, wechseln sich die einzelnen Teams regelmäßig ab. Bei besonders großen Höhlen werden untertage Höhlenbiwaks eingerichtet, die den Teams als vorgeschobene unterirdische Basislager dienen. Während tief unten im Berg Gänge erkundet werden, wird an der Oberfläche bereits anhand der gesammelten Daten mit Laptops an der Erstellung der Höhlenpläne mittels dreidimensionaler Koordinaten gearbeitet. Diese Arbeits-Methode wird nur bei grossen Expeditionen in viele Kilometer lange Höhlen angewendet. Höhlen erforschen am WochenendeBei kleineren Höhlen sind von 2 bis 4 Personen am Wochenende realisierte Höhlenvermessungen der Standard. Die in der Höhle aufgezeichneten Messdaten werden anschliessend zu Hause bearbeitet und entsprechende Dokumente und Karten erstellt. Unterirdische Karten sind eine wertvolle Hilfe für die Rettungskräfte bei einem Höhlenunfall. Sie erlauben es den Rettungskräften, die auf sie zu kommenden Probleme wie Schächte, Syphone oder Engstellen einschätzen zu können. Höhlenpläne werden in den Höhlen-Katastern der jeweiligen Länder geführt.
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